Visuelle Identität Symbolbild

What you see is what you get?!

Gisela will ihren Kunden in ihrer Boutique Kaffee anbieten. Jetzt ist Sie auf der Suche nach dem perfekten Anbieter. Nur das Beste für ihren Laden, fair und lokal. Sie recherchiert online und findet die Webseite der kleinen Kaffeerösterei „Nur die Bohne“ von Birte und Roland. Die Webseite sieht gut aus, man arbeitet mit Kooperationen zusammen und legt Wert auf eine faire Produktion.
Sie checkt den Instagram Feed, findet dort aber nur tolle Bilder von Latte-Art Kreationen und CupCakes. Gisela sucht doch eine Rösterei, ist das jetzt der richtige Laden?

Der Kaffeerösterei fehlt eine ganz bestimmte Eigenschaft: eine Identität, genauer gesagt die visuelle Identität.
Was das ist und vor allem, warum das so wichtig ist, kläre ich in diesem Artikel.

Was ist die visuelle Identität?

Deine visuelle Identität wird bestimmt durch alle visuellen Elemente, die mit Deinem Kunden kommunizieren. Sie wird geprägt durch die Art und Weise wie Du Dich präsentierst. Dazu gehören Elemente der klassischen Corporate Identity und des Branding wie Logo, Farben und Typografie. Aber vor allem auch Bildsprache und Kommunikationskanäle.

Hier zusammengefasst meine kurze Definition für Dich:

Die visuelle Identität ist die authentische visuelle Umsetzung der Corporate Identity und des Branding.
In ihrer Gesamtheit prägt sie das Unternehmensimage.
Sie beinhaltet alle visuellen Elemente und sichtbaren Aktivitäten eines Unternehmens.

Wofür brauche ich eine visuelle Identität?

Für jeden Unternehmer und jede Marke ist es wichtig, direkt erkannt und auch wiedererkannt zu werden. Nur so kannst Du Dich auf dem Markt unterscheiden und abgrenzen. Es gibt dafür viele verschiedene Möglichkeiten, sei es durch Optik, Service oder auch den Preis.

Das Werkzeug dafür ist das Marketing oder anders gesagt „die konsequente Ausrichtung des gesamten Unternehmens an den Bedürfnissen des Marktes“ (Gabler Wirtschaftslexikon).

Die Marketingwelt hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert, zuletzt durch die Erfindung der Smartphones (danke Steve Jobs!!!). Unsere Welt wird visuell, Bilder werden schneller und intensiver wahrgenommen als Worte. Die Generation Z drückt sich heute hauptsächlich durch Bildsprache statt Worte aus.

Die Visualität und Bildsprache hat aufgrund der Veränderung der Kommunikation sehr stark an Bedeutung gewonnen. Diese Veränderung bringt auch ein Umdenken in der strategischen Kommunikation mit sich. Ein neues Selbstverständnis muss entstehen: neue Instrumente und kreative Konzepte entwickeln die visuelle Identität. Nur dann erreichst Du Deine Kunden.

Die Basics

Deine visuelle Identität bestimmst Du durch Deinen visuellen Auftritt und Deine visuelle Kommunikation mit dem Kunden.

Dafür brauchst Du zuerst die Basics, die grundlegenden Elemente des Marketing: Branding, Corporate Identity und Corporate Design. Diese Elemente sind für einen Marken- oder Unternehmensauftritt wichtig. Schliesslich willst Du genauso jederzeit erkannt werden wie Nivea, Tempo und viele mehr. Die visuelle Identität ist dann das Topping, die Sahnekirsche.

Bevor Du jetzt hier aussteigst, es ist einfacher als Du denkst.
Daher erkläre ich Dir die einzelnen Begriffe kurz und schnell. Du wirst sehen, wieviel Du davon vermutlich schon hast und wie Du fehlendes für Dich und Dein Unternehmen umsetzen kannst.

Branding

Branding ist das Entwickeln einer Marke mit dem Ziel der Wiedererkennbarkeit. Das Branding ist eine strategische Maßnahme und wird im Unternehmen entwickelt. Branding kannst Du auch mit „Markenbildung“ übersetzen.

Einfach ausgedrückt heißt das: Wer bist Du, was ist Dein Alleinstellungsmerkmal, was macht Dich aus? Definiere Dich, kurz und klar.

Corporate Identity

Corporate Identity oder kurz C.I. ist die Gesamtheit der Merkmale, die ein Unternehmen kennzeichnen und es von anderen Unternehmen unterscheiden (Wikipedia).

Kurz gesagt, die C.I. holt Dich oder Dein Unternehmen aus der Anonymität und gibt Dir eine einzigartige, unverwechselbare und wiederkehrende Identität – einen Charakter.

Der Charakter wird geprägt durch:

  • das Auftreten (Corporate Behaviour): wie benehme ich mich, wie agiere ich?
  • die Kommunikation (Corporate Communication): welche Sprache spreche ich? Zum Beispiel ist es ein Unterschied, ob Du Deine Kunden mit „DU“ oder „SIE“ ansprichst
  • das Aussehen (Corporate Design): diesen Punkt erläutere ich im nächsten Absatz genauer!

Die C.I. geht tiefer als das Branding und die einzelnen Elemente definieren Dich. Übrigens bildet die C.I. die Grundlage und den Rahmen für das Fremdbild (Corporate Image), also wie Deine Kunden Dich sehen.

Über die C.I., ihre Elemente und das Fremdbild werde ich einen eigenen Artikel schreiben. Das ist ein sehr spannendes und wichtiges Thema im Bereich Visual Marketing. Wenn Du diesen nicht verpassen willst, trage Dich gleich in den Newsletter ein!

Corporate Design

Das Corporate Design dient der optischen Positionierung und der Profilierung eines Unternehmens.
Es werden Farben und Formensprachen definiert. Sowohl mit Farben, Formen und auch Schriftarten drückst Du bestimmte Werte und Emotionen aus. Hier spielt die Psychologie eine große Rolle.
Als Beispiel „Milka“ im Vergleich zu „Lindt“: Beides ist Schokolade, dennoch sprechen Farbe und Schrift unterschiedliche Emotionen an. Lindt eher „edel und hochwertig“, Milka dagegen spricht die Sinne an, lila steht für sinnlich.
Die Definition des Corporate Design bestimmt also das Erscheinungsbild, den „look & feel“ einer Marke.

Definiert wird das Design idealerweise in einem Gestaltungssystem. Das wird Corporate Design Manual, Styleguide, Design Manual oder auch Brand Manual genannt. Der Name ist eigentlich egal, wichtig ist der Inhalt.

Darin zu finden sind:

  • Logo, Logovarianten und die Verwendung des Logo auf und in unterschiedlichen Bereichen
  • Farben und Farbpaletten für Print und digital
  • Typographie. Schriftarten, Größen, Platzierung
  • Bildmaterial oder Anweisungen für Look, Farbsättigungen, Komposition

Jedes dieser Elemente für sich ist wichtig, in der Gesamtkonzeption ergeben sie Dein Corporate Design, Dein Aussehen.

Natürlich musst Du Dir jetzt nicht gleich ein mehrseitiges Manual erstellen.

Oftmals sind die einzelnen Elemente auch schon vorhanden: Du hast ein Logo, benutzt eine bestimmte Schriftart und hast eine Farbe, die Du immer wieder einsetzt.

Jetzt überlegst Du Dir noch, wann wie und wo Du die Elemente immer gleich einsetzt, und schon hast du ein CD.
Falls Du das noch nicht hast, solltest Du Dich damit auseinandersetzen!

Es ist wichtig, die einzelnen Elemente in allen Bereichen konsequent umzusetzen. Du kannst auf Instagram kein anderes Logo haben als zum Beispiel im Laden. Oder auf der Webseite andere Schriftarten benutzen wie auf der Visitenkarte.
Dein potenzieller Kunde wird sich sonst sicher fragen, ob er bei Dir richtig ist. Du bist nicht authentisch und hast schlimmstenfalls einen Kunden verloren, da er verwirrt ist und Dir eventuell nicht mehr traut.

Das Topping

Bis jetzt haben wir mit klassischen Marketing- Werkzeugen den Charakter geformt.
Die visuelle Identität vervollständigt den Charakter durch die Art und Weise der praktischen Umsetzung, sie erweckt die Theorie zum Leben.

Du definierst Deine Identität über die verwendete Bildsprache, die Kanäle sowie die Elemente, die Du nutzt: ein Versicherungsmakler wird andere Kanäle benutzen als ein Kosmetikstudio. Der Agent wird vermutlich Informationen und wichtige Neuerungen twittern, das Studio auf Instagram Fotos von erfolgreichen Behandlungen veröffentlichen.

Hier mal fiktive und praktische Beispiele:

Visuelle Identität Visitenkarte Versicherung

Beide verwenden sie eine helle Farbe als Hintergrund. Das ist offen und freundlich. Die Agentur verwendet klare Farben, schlichte Formen und eine geradlinige Schrift. Das alles steht für seriös, klar, geradeheraus. Und wie sieht das mit dem Kosmetikstudio aus?

Visuelle Identität Visitenkarte Kosmetik

Es geht zur Umsetzung. Das ist einfacher, als Du vielleicht vermutest. Außerdem hast Du immer die Möglichkeit, Bereiche auszulagern oder abzugeben.
Jetzt gibt es ein paar Fragen zu beantworten und einige Elemente zu definieren.

Wie präsentiere ich mich?

Das ist die visuelle Umsetzung Deiner Werte. Zum Beispiel: Vertrauen, Nachhaltigkeit, Transparenz, Offenheit, Innovation, Teamgeist, Abenteuer, Achtsamkeit, Intuition, Andersartigkeit. Die Umsetzung bewegt sich auf allen Kanälen, sie bestimmt die Ladeneinrichtung, die Farbwahl der Webseite, die Auswahl der Schrift und so weiter.
Wenn Du Dich damit schwer tust, kannst Du zum einen Deine Mitbewerber und die Branche recherchieren und vergleichen. Zum Anderen kannst Du die Suchmaschinen zu den Begriffen bemühen und die Bilder zu den Begriffen durchsehen. Das gibt Dir eine Richtung und ein Gefühl.

Wo zeige ich mich?

Hiermit definierst Du Deine Positionierung: klassisch, traditionell, innovativ. Jedes Element hat seine Plattform. Dazu gehören im analogen Bereich zum Beispiel Messen, Fachzeitschriften, Kongresse. Der Versicherungsmakler schaltet Anzeigen im Oldtimer-Fachmagazin, die Kosmetikerin hat einen Stand auf der Hochzeitsmesse. Für den Online Bereich kannst Du mehr darüber in dem Artikel „Die 5 wichtigsten Elemente der perfekten Online Präsenz“ lesen. Der Artikel erklärt Dir, wie und wo Du Dich am Besten präsentierst.

Wie inszeniere ich mich?

Erzähle ich Geschichten, gebe ich Unterstützung oder Lösungen? Das ist die Definition der Maßnahmen: Storytelling, Bilder, Videos. Brauchst Du vielleicht einen Blog oder einen Vlog?
Die Inszenierung ist vermutlich für die meisten der anspruchsvolle Teil der visuellen Identität.
Je nach Art und Wunsch der Inszenierung solltest Du vielleicht über ein Outsourcing nachdenken. Auch hier findest du mehr Information in dem eben erwähnten Artikel über die perfekte Online Präsenz.

Fazit: Die visuelle Identität

Alle diese Elemente bestimmen Deine visuelle Identität. Und nur wenn diese visuelle Identität mit der Realität übereinstimmt, bist Du authentisch. Authentizität ist die Währung der heutigen Zeit und wird mit Loyalität und Kundenbindung belohnt.

Die visuelle Identität ist eng verknüpft mit dem visuellen Marketing. Wenn Du Deine visuelle Identität kennst und lebst, setzt Du schon eine Grundvoraussetzung für visuelles Marketing um: eine einheitliche visuelle Sprache. Mehr darüber kannst Du in meinem Beitrag “Was ist Visual Marketing oder visuelles Marketing?“ nachlesen.

Du brauchst Unterstützung für deine visuelle Identität oder willst wissen, wo Du stehst und was Du verbessern kannst? Melde Dich einfach bei mir, ich berate Dich gerne oder erstelle Dir eine Übersicht über Deinen Status und gebe Dir umsetzbare Handlungsempfehlungen.

P.S.
Gisela wird von einer Kundin angesprochen: „Du bietest Deinen Kunden jetzt Kaffee an? Wir haben eine kleine Rösterei ‚Nur die Bohne‘. Ich bin Birte, die Mitinhaberin.“ Gisela ist erstaunt: das ist doch der Laden für den sie sich interessiert hat. Sie erklärt Birte ihre Unsicherheit durch den unterschiedlichen Auftritt auf der Webseite und Instagram.
Birte setzte sich noch am gleichen Abend mit Lisa in Verbindung. Lisa kümmert sich um ihren Instagram Account und gemeinsam erarbeiten sie ein neues Konzept für den Online Auftritt.

https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/corporate-identity-31786

bwl-wissen.net/Corporate Identity

https://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/branding?interstitial

Corporate Design Manuals und Styleguides

https://www.designtagebuch.de/wiki/bedeutung-der-farben-fuer-das-branding/

https://www.designtagebuch.de/wiki/die-bedeutung-von-schrift-fuer-die-identitaet/

https://www.wertesysteme.de/werte-glossar/unternehmenswerte/

https://99designs.de/blog/design-kreativitaet/style-guierstellen/

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